Kinderkunstprojekt: "Sie können hier in Frieden malen"

25.11.19
Foto: ekasur.de
Moncef (8) hat unter anderem eine Weihnachtskugel gemalt.

Sie ist mit blauen, gelben und roten Punkten geschmückt. Auf ihrem Bauch prangt ein Stern. Moncef hat diese Weihnachtskugel gemalt. Das Bild des Achtjährigen ist eines aus der Ausstellung des Kinderkunstprojektes in der kommunalen Flüchtlingsunterkunft in Siegburg.

Eine beengte Unterkunft. Hohe Fluktuation. Erwachsene, die zumeist ganz andere Sprachen sprechen. Viele von ihnen psychisch belastet, körperlich chronisch beeinträchtigt.

Und ihre Kinder? Viele sind verstört oder regelrecht traumatisiert von Erfahrungen mit Krieg, Gewalt, Verlust von Bezugspersonen. Mittendrin dann dies: jeden Freitagnachmittag ein geschützter Rahmen, eineinhalb Stunden Freiraum, unterstützt von einem Künstler, Raum für Kreativität. Das Kinderkunstprojekt „angekommen“ in der kommunalen Flüchtlingsunterkunft Siegburg hat seit Juli für ein weiteres Jahr eine gesicherte Finanzierung: dank dem Lions Förderverein Siegburg e. V.. Rund 3.000 Euro ermöglichen die Fortführung des Projekts.

Kinder stärken: Seit 2018 läuft das Kinderkunstprojekt, zunächst finanziert aus Mitteln der Stadt Siegburg, dann aus Kollekten der evangelischen Kirchengemeinden in der Region. Die Verantwortung für das Projekt liegt beim Diakonischen Werk des Evangelischen Kirchenkreises An Sieg und Rhein, das seit 2015 als Kooperationspartner der Stadt Siegburg für die Betreuung und Beratung der Geflüchteten in der Unterkunft zuständig ist.

Zouber Yousiph ist der Bildhauer, Maler und Musiker, der die Mädchen und Jungen im Kinderkunstprojekt anleitet und begleitet, sie dabei unterstützt, sich in Kunst und Sprache auszudrücken. Zwischen sechs und acht Jahren sind die jungen Teilnehmenden.

Yousiph bringt nicht nur seine eigene Zuwanderungsgeschichte mit, kam 1999 aus dem kurdischen Teil Nordsyriens nach Deutschland. Er spricht Arabisch und Kurdisch, außerdem ist er von der Integrationsagentur ausgebildeter Gesundheitslotse, begleitet also Geflüchtete bei Arztbesuchen, übersetzt bei ärztlichen Gesprächen.

 

Auch Tonarbeiten sind in der Ausstellung zu sehen.

 

Er mache keinen Unterricht, erklärt Yousiph, sondern lasse die Kinder frei arbeiten. "Sie können hier in Frieden malen." Oder auch mit Ton werkeln. Kamel, Motorrad oder ein Teller. "Mit Ton zu modellieren, ist ein Erlebnis, das den Kindern bleibt."

 

Dank für das kreative Projekt: Bürgermeister Franz Huhn.

 

Bei der Vernissage mit Gemälden und Tonarbeiten der Kinder sagte Siegburgs Bürgermeister Franz Huhn der Diakonie und dem Künstler Dank für dieses Projekt. Zouber Yousiph unterstütze die Kids "mit Ruhe und Geduld". Bei bestimmten Erlebnissen, die sehr tief gehen, fehlten zunächst die Worte. Malen sei wichtig, um auszudrücken, was in einem passiert. Daraus könnten später auch heilsame Worte erwachsen.

Zhila ist neun, ihr Pinguin ist braun, weil Schwarz gerade aus war, als sie es gebraucht hätte. Eines ihrer anderen Bilder zeigt die Deutschland-Fahne - viele Kinder haben die hiesige Flagge gemalt, in der Ausstellung ist sogar mit Schwarz, Rot und Gold bemalter Holzpfosten zu sehen. Zhila hat auch eine zweite Flagge gemalt, die irakische. "Weil ich es wollte", kommentiert sie die deutsche; "weil es mein Land ist", die irakische.

Rund fünfzig Geflüchtete leben zurzeit in der Unterkunft. Sie stammen aus Algerien, Marokko, Guinea und Somalia, aus Syrien, Iran, Irak und der Türkei, aus Russland und der Ukraine, aus China und Pakistan. Nach der allerersten Aufnahme in einer Landeserstaufnahmeeinrichtung ist die kommunale Gemeinschaftsunterkunft dann ihr zweiter Ankunftsort in Deutschland.

Moncef ist im ersten Moment komplett enttäuscht, dass an diesem Freitag Ausstellung ist. Er hätte lieber wieder gemalt. Aber dann erzählt er, dass er neuerdings in einem Fußballverein ist, dienstags und donnerstags trainiert. "Und morgen haben wir ein Spiel", sagt er selig.

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