Freie Wohlfahrtspflege kritisiert Schieflage auf dem Ausbildungsmarkt

12.04.19
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Wie der neue Arbeitslosenreport der Freien Wohlfahrtspflege zeigt, fehlten im Rhein-Sieg-Kreis im vergangenen Ausbildungsjahr 120 Ausbildungsstellen.

Mehr Lehrstellen als Bewerber – Diese positive Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt gilt leider nicht überall. Wie der neue Arbeitslosenreport der Freien Wohlfahrtspflege zeigt, fehlten im Rhein-Sieg-Kreis im vergangenen Ausbildungsjahr 120 Ausbildungsstellen. Gleichzeitig wurden ausbildungsvorbereitende und -begleitende Maßnahmen gestrichen.

Während in Deutschland immer mehr Arbeitgeber über einen Azubi-Mangel klagen, gibt es in Nordrhein-Westfalen mehr Bewerber als Ausbildungsplätze. So kamen etwa im Rhein-Sieg-Kreis von Oktober 2017 bis September 2018 auf 4241 gemeldete Bewerber 3027 gemeldete Ausbildungsstellen. Für eine optimale Versorgung würden sogar zusätzliche 1744 Stellen benötigt. „Diese Ausbildungslücke ist besorgniserregend, zumal es bundesweit seit den 1990er Jahren erstmals einen ganz anderen Trend gibt“, erklärt Patrick Ehmann, Vorsitzender der Freien Wohlfahrtspflege im Rhein-Sieg-Kreis.

Trotz aller Bemühungen blieben laut Arbeitslosenreport NRW mehr als 120 Bewerber zum Stichtag 30. September 2018 gänzlich unversorgt. Mit dem Argument fehlender Ausbildungsreife gäben viele Betriebe Hauptschülern keine Chance mehr, kritisiert Ehmann. „Es birgt sozialen Sprengstoff, wenn Unternehmen sich über Fachkräftemangel beschweren, sich aber von Hauptschülern abwenden. Die Betriebe haben eine gesellschaftliche Verantwortung, einen solidarischen Beitrag zur Sicherung der Zukunft junger Menschen zu leisten“, mahnt der Geschäftsführer des regionalen Diakonischen Werkes.

Laut Arbeitslosenreport gab es im September 2018 im Rhein-Sieg-Kreis insgesamt 2317 Jugendliche unter 25 Jahren im sogenannten Langzeitleistungsbezug. Annähernd 33 Prozent (758) dieser jungen Menschen sind auf der Suche nach einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung und besitzen gleichzeitig keine abgeschlossene Berufsausbildung. Landesweit ist ihre Zahl in den letzten drei Jahren um rund zwei Prozentpunkte gestiegen.

Gleichzeitig wurden ausbildungsvorbereitende und -begleitende Maßnahmen abgebaut. „Jugendliche müssen jede nötige Unterstützung erhalten, um sich beruflich qualifizieren zu können. Daher fordern wir eine Ausweitung ausbildungsvorbereitender und –begleitender Maßnahmen. Sie müssen anschlussfähig sein und wo nötig Förderketten bilden, die den jungen Menschen den Weg in das Berufsleben ebnen“, so Ehmann. Eine Ausweitung der Angebote wäre aus Sicht der Freien Wohlfahrtspflege im Rhein-Sieg-Kreis ein wichtiger Schritt, um das im ‚Ausbildungskonsens NRW‘ formulierte Ziel der Stärkung von Aus- und Weiterbildung zu erreichen.

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