Psychische Gesundheit bekommt eine Bühne
von Nastassja Lotz
06.07.2026
Es geht um persönliche Geschichten, bewegende Songs und offene Einblicke in Themen, über die oft noch zu wenig gesprochen wird. Am 12. September um 18 Uhr ist das Format in der Johanneskirche Troisdorf zu Gast. Im Interview sprechen die beiden darüber, warum Offenheit Mut braucht, was diesen Abend besonders macht und weshalb sich bei „Couch in Concert“ niemand allein fühlen muss.
Viele Menschen sprechen heute offen über Stress, Burnout oder ADHS – und trotzdem fühlen sich viele mit psychischen Problemen noch allein. Warum eigentlich?
Elisabeth Miro: Ich glaube, wir sind gesellschaftlich noch nicht an dem Punkt, an dem psychische Gesundheit wirklich dieselbe Akzeptanz bekommt wie körperliche Gesundheit. Es gibt weiterhin viele Vorurteile und gleichzeitig erleben Menschen oft, dass durch die aktuelle Politik Hilfe schwer zugänglich ist. Genau deshalb wollten wir mit „Couch in Concert“ einen Ort schaffen, an dem offen über diese Themen gesprochen wird.
Lea Bergen: Oft fehlt uns noch die Sprache für das, was in unseren Köpfen passiert. Das ist ein bisschen, als müsste man jemandem die Farbe Rot erklären, der sie noch nie gesehen hat. Wenn man über die eigene mentale Gesundheit spricht, macht man sich unglaublich verletzlich. Und wenn man dabei das Gefühl hat, sowieso nicht richtig verstanden zu werden, bleiben viele lieber an der Oberfläche. Diese fehlende Tiefe im Austausch führt oft dazu, dass Menschen sich trotz aller Gespräche allein fühlen.
Sie bringen genau diese Themen zusammen mit Live-Musik auf eine Bühne. Was macht „Couch in Concert“ besonders?
Elisabeth Miro: Es ist die Mischung aus ehrlichen Gesprächen, persönlichen Erfahrungen und Live-Musik. Die Musiker stehen dort nicht nur als Profis auf der Bühne, sondern auch als Menschen mit ihrer eigenen Geschichte. Davon ist nichts einstudiert. Das schafft eine besondere Nähe und Offenheit. So möchten wir alle ansprechen: Betroffene, Angehörige, Fachpersonen oder einfach Menschen, die gute Live-Musik erleben möchten.
Lea Bergen: Dazu kommt, dass Elisabeth als Psychotherapeutin das Erzählte einordnet und verständlich macht. Diese Verbindung aus persönlichen Erfahrungen und professioneller Einordnung ist etwas sehr Besonderes und für viele Menschen unglaublich hilfreich.
Wie erleben Sie die Atmosphäre im Raum, wenn Menschen merken: „Ich bin damit nicht allein“?
Elisabeth Miro: Das ist oft sehr bewegend. Man merkt, wie Menschen emotional mitgehen – manchmal durch Tränen, manchmal durch Gespräche danach oder kleine Reaktionen aus dem Publikum. Teilweise haben sich Menschen im Arm gehalten und hatten nach dem Abend noch Gesprächsbedarf.
Lea Bergen: Für uns ist es ein Geschenk, wenn der Abend etwas auslöst. Jede Reaktion darf da sein. Es entsteht ein Gefühl von Verbundenheit und Solidarität: „We’re all in this together“, denke ich dann immer wieder.
Gab es einen Moment, der Ihnen bis heute im Kopf geblieben ist?
Elisabeth Miro: Besonders in Erinnerung geblieben ist mir eine Frage aus dem Publikum an unsere Gäste mit ADHS und Autismus: Was hätten sie sich rückblickend von den Erwachsenen in ihrer Kindheit gewünscht? Darin lag für mich etwas sehr Hoffnungsvolles – kein Vorwurf, sondern der Wunsch, besser hinzuschauen und Muster zu durchbrechen. Außerdem haben uns nach den Abenden viele Nachrichten erreicht von Menschen, die sich zum ersten Mal verstanden und gesehen gefühlt haben.
Was wünschen Sie sich, dass Menschen von diesem Abend mit nach Hause nehmen?
Elisabeth Miro: Ich wünsche mir, dass Menschen danach offener und wohlwollender mit sich selbst und anderen umgehen können.
Lea Bergen: Ich hoffe, dass Menschen nach dem Abend mit einer annehmenderen Haltung auf psychische Erkrankungen schauen – bei anderen, aber auch bei sich selbst. Wenn wir es schaffen, dass Menschen sich mit dem, was sie beschäftigt und bedrückt, ehrlicher begegnen können, dann haben wir einen riesigen Beitrag geleistet.
Wer dabei sein möchte, kann ab sofort Tickets im Vorverkauf erwerben. Verkaufsstellen sind im Sozialpsychiatrischen Zentrum der Diakonie An Sieg und Rhein (Emil-Müller-Straße 6, 53840 Troisdorf, Mo-Fr 8-15 Uhr) sowie im Kirchencafé der Johanneskirche Troisdorf (Viktoriastraße 1, 53840 Troisdorf, Mo-Fr 11:30-15:30 Uhr). Online-Reservierungen sind per Mail an möglich.
Tickets gibt es ab 15 Euro. Wer möchte, kann zusätzlich 5 Euro zahlen und damit einer anderen Person den Eintritt ermöglichen.
Der Abend wird mitfinanziert von der Kreissparkasse Köln, dem Bündnis gegen Depression Bonn/Rhein-Sieg e. V., der Selbsthilfe-Kontaktstelle des Paritätischen Rhein-Sieg-Kreis sowie der Kooperationspartnerin Freiwilligen-Agentur der Diakonie An Sieg und Rhein im Rahmen des Aktionsjahres „Gemeinsam statt einsam – Ehrenamt wirkt“.
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