V. l.: Mohammed Becar erzählt im Gespräch mit Migrationsberater*innen Salah Mustafa und Ute Rötzheim-Hill von seinen Erfahrungen. Foto: Dörte Staudt/Caritasverband Rhein-Sieg.

Migrationsberatungen im Rhein-Sieg-Kreis feiern 20-jähriges Bestehen

von DW Redaktion

21.04.2026

Seit 20 Jahren unterstützen Migrationsberatungen im Rhein-Sieg-Kreis Menschen dabei, in Deutschland anzukommen und ihren Alltag zu gestalten.


Ob Fragen zu Aufenthalt, Arbeit, Sprache oder Orientierung im neuen Umfeld – die Beratungsstellen sind für viele Zugewanderte eine wichtige erste Anlaufstelle. Die bundesweite Einführung der Migrationsberatung für erwachsene Zugewanderte (MBE) im Jahr 2005 war ein wichtiger Schritt, um diese Unterstützung strukturell zu verankern. Patrick Ehmann, Geschäftsführer der Diakonie An Sieg und Rhein, betont, Migration sei kein Selbstläufer: „Sie braucht Begleitung, Geduld und Fachwissen. Die MBE-Beraterinnen und -Berater sind oft die ersten Vertrauenspersonen in einem fremden Land.“

Auch im Rhein-Sieg-Kreis sind die Beratungsstellen von Diakonie An Sieg und Rhein, von der Kurdischen Gemeinschaft Rhein-Sieg/Bonn und vom Caritasverband Rhein-Sieg zentrale Anlaufstellen für Menschen, die in der Region ein neues Zuhause finden. Rund 4500 Beratungen waren es allein in den vergangenen Jahren 2024 und 2025.

Doch hinter diesen Zahlen, „hinter jedem Aktenzeichen und jedem Beratungsgespräch steht eine ganz persönliche Geschichte – von Mut, von Neuanfängen und auch von den Hürden, die es auf dem Weg in ein neues Leben zu überwinden gilt.“, so Janin Joos, Fachbereichsleitung Beratungsdienste im Diakonischen Werk.

„Alles war fremd“, erinnert sich Helda Kakos, die vor mehr als zwei Jahrzehnten in Niederkassel ankam. „Behördenbriefe waren Horror“. Der deutsche Winter sei die größte Herausforderung gewesen, schildert sie mit Humor, aber verloren fühlten sich ihr Mann und sie selbst vor allem im Behördensystem. „Das ist das, was jeder, der in Deutschland ankommt, lernen muss – was ist das Jobcenter, was das Ausländeramt, wie geht das Schulsystem?“ Heute gibt sie, die inzwischen eingebürgert ist, dieses Wissen im Interkultur-Café Niederkassel ehrenamtlich an die neu Gekommenen weiter.

Im Gespräch mit ihrem ehemaligen Berater erinnert sich die heutige Küsterin der evangelischen Kirchengemeinde Niederkassel an ihre ersten Schritte im neuen Land. „Die Migrationsberatung war Gold wert“, sagt sie.

Das bekräftigt auch Mohammed Becar, der noch nicht drei Jahre in Deutschland lebt, seinen Integrationskurs absolviert und ein erstes Sprachzertifikat erlangt hat: Immer wieder habe sich der syrische Familienvater an die Beratung der Kurdischen Gemeinschaft gewandt, doch müsse er immer seltener Fragen stellen.

Ein Grund, aus Anlass des 20-Jährigen einmal im Kreis der Netzwerk- und Kooperationspartner und -partnerinnen ein wenig zurückzuschauen. Und dabei auch auf die kommenden Jahre zu blicken.

Mit einem Grußwort nahm Sozialdezernentin Ulla Thiel diese Gedanken auf: „Wir sehen Menschen, die durch die Unterstützung neue Chancen erhalten haben, die beruflich Fuß fassen konnten, die soziale Kontakte aufgebaut und ihren Platz in unserer Gesellschaft gefunden haben. Wir sehen Kommunen, die davon profitieren, dass Integration gelingt.“, bedankte sie sich. Doch seien die Herausforderungen angesichts der Weltlage immens. „Aber die vergangenen 20 Jahren zeigen, mit Kooperation, mit gegenseitigem Respekt und Offenheit können wir Integration für die Menschen in unserer Region erfolgreich gestalten.“, sagte sie. „Lassen Sie uns diesen Weg in der Zukunft gemeinsam gehen.“

Dass die Zukunft der Migration aber unbedingt einer Finanzierung und Planungssicherheit, verlässlichen Rahmenbedingungen und der politischen Unterstützung bedarf, daran erinnerten zum Schluss der Veranstaltung gemeinsam Jinda Ataman von der Kurdischen Gemeinschaft und Daniel Frömbgen Caritas-Teamleiter Integration und Migration. „Polarisierung, Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt, im Beruf, in Behörden – das sind keine abstrakten Probleme“, verschwiegen sie vor ihren Gästen nicht die gesellschaftliche Realität, die ihnen täglich entgegenschlägt. „Das sind die Erfahrungen unserer Klientinnen und Klienten“, so Ataman und Frömbgen. „Eine Gesellschaft, die Teilhabe ernst nimmt, muss auch die Bedingungen dafür schaffen.“

 

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