Es geht um Gemeindeaufbau und Inklusion

Wie sich die Beueler Gemeinde auf Pützchens Markt engagiert

Die Erlöse fließen an diakonische Zwecke. Soziale Organisationen entsenden Mitarbeitende, die dann Schichten übernehmen. Dennoch ordnet die Evangelische Kirchengemeinde Beuel ihr Engagement bei „Pützchens Markt“ nicht an erster Stelle dem Arbeitsfeld Diakonie zu. Stellen sich also gleich zwei Fragen: Wie definiert sich Diakonie? Und was macht die Gemeinde Beuel eigentlich genau?

Pützchens Markt ist ein traditionsreicher Jahrmarkt, der auf das Jahr 1367 zurückgeht. Er findet mitten in der Beueler Ortschaft Pützchen auf der dortigen Marktwiese und in den umliegenden Straßen statt. Andere würde Pützchens Markt vielleicht Kirmes nennen. Sie zieht jährlich am zweiten Septemberwochenende mehr als eine Million Besucherinnen und Besucher an.

In unmittelbarer Nachbarschaft der Marktwiese liegt die Nommensenkirche der Evangelischen Kirchengemeinde Beuel. Seit 1986 beteiligt sich die Gemeinde rund um das Gemeindezentrum mit einem Treffpunkt samt gastronomischem Angebot. Sie ist fast schon Teil von Pützchens Markt. Sie bietet definitiv einen ruhigen Ort am Rand des Rummels. In diesem Jahr wieder: vom 12. bis 16. September.

Waffeln, Würstchen, Weltladen-Produkte

Jahr für Jahr sind rund 250 Ehrenamtliche aktiv. Sie backen Waffeln, braten Würstchen, verkaufen Weltladen-Produkte. Der Reingewinn betrug zuletzt rund 18.000 Euro. Die Erlöse schüttet die Gemeinde an soziale Projekte in Stadtteil, Stadt und der weltweiten Ökumene aus.

Genauer: In diesem Jahr werden die indonesische Partnerkirche von Beuel und eine Schule im Benin bedacht. Weitere Anteile des Erlöses gehen an verschiedene Organisationen, unter anderem nach nebenan an das Therapiezentrum für Menschen mit komplexen Beeinträchtigungen, an den Bonner Verein für Gefährdetenhilfe sowie an „Robin Good“, den Familienfonds von Caritas und Diakonie in Bonn.

Kirche als relevanter Player

Doch an erster Stelle – darauf legen die Verantwortlichen in der Beueler Gemeinde Wert – steht das Projekt unter dem Vorzeichen Gemeindeaufbau. Für viele Besucher*innen sowie für die lokale Bürgerschaft und deren Vertreter*innen wird durch den Marktauftritt die Kirchengemeinde und Kirche überhaupt als Teil des gesellschaftlichen Miteinanders und relevanter Player sichtbar. Und gleichzeitig wird durch diese gemeindlichen Aktivitäten eine große Zahl von Ehrenamtlichen aktiviert, zu denen die Kirchengemeinde nur über dieses Engagement Kontakt hat.

Weiter heißt es aus der Beueler Gemeinde: „Das Besondere ist eine breite inklusive Mischung aus kirchlich Hochverbundenen und nur kaum oder gar nicht kirchlich Verbundenen, aus Jüngeren und Älteren, aus unterschiedlichsten Bildungs- und Berufsbiographien, aus Menschen mit und ohne Behinderung.“

„Oase des guten Miteinanders“

Menschen mit Behinderung kommen zum Beispiel aus dem Therapiezentrum. Andere sind Betreute des Vereins Der Karren. Gerade die langen und tiefen Verbindungen zu diesen Einrichtungen sorgten dafür, dass die Gemeinde ihr Engagement unter diesem Akzent einer breit verstandenen Inklusion einordnet: „Gemeindeaufbau im Rahmen des speziellen inklusiv ausgerichteten Gemeindekonzepts“.

Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Dr. Thorsten Latzel, der die Gemeinde auf Pützchens Markt im vergangenen Jahr besucht hat, hat seine Eindrücke in folgende Worte gefasst: Kirche auf Pützchens Markt ist eine „Oase des guten Miteinanders“.