Lisa Heuser leitet die Tagesstätte im SPZ in Troisdorf. Foto: Meike Böschemeyer

Anker im Alltag

von Anna Neumann

23.04.2026

Die Tagesstätte im Sozialpsychiatrischen Zentrum der Diakonie An Sieg und Rhein gibt Grund zum Feiern: Sie besteht 30 Jahre.


Leiterin Lisa Heuser kennt die Geschichte aus Erzählungen und die Bedeutung aus guter eigener Erfahrung. Ein Interview

Was war früher schön in der Tagesstätte?

Früher gab es Dokumentation auf Papier, keine Computer oder Handys, irgendwann kam die erste Schreibmaschine für alle Mitarbeitenden. Rauchen in den Räumlichkeiten war vollkommen normal – ob das schön war, ist Interpretationssache. Ich denke: Es war einfach eine andere Zeit. Fest steht: Die Tagesstätte war für viele der erste sichere Ort in einer Zeit, in der es insgesamt weniger Verständnis für psychische Erkrankungen gab. Durch vereinfachte Dokumentation gab es mehr Zeit füreinander und improvisierte Ideen. Die Beziehungen zwischen Klient*innen und Mitarbeitenden waren oft besonders eng, weil sich Strukturen erst entwickelt haben.

Die Covid-Zeit war die größte Herausforderung, weil die Mitarbeitenden die Klient*innen in der Pandemie kaum mehr erreichen konnten, richtig?

Die Tagesstätte war für eine überschaubare Zeit geschlossen. Gemeinsam mit den Besuchern haben wir diese schwere Zeit mit ständigen Anpassungen sehr gut gemeistert.

Welche Veränderungen gab es noch?

Lange Zeit waren auch Tagesstätte und Kontaktstelle miteinander verbunden, längst funktionieren sie ja als getrennte Angebote für unsere Klient*innen sehr gut. Was uns auch zugutekommt: Anfang 2000 haben wir im Haus Platz hinzugewonnen. Wo zuvor hinter dem Werkraum Schluss war, stehen seither der Kreativraum, der Snoozelraum und zwei Gesprächsräume zur Verfügung. Das sind schöne Errungenschaften für die Menschen hier bei uns.

Was macht die Tagesstätte heute zu einem guten Ort für die Klient*innen?

Eine gemütliche Atmosphäre, Zusammenhalt, Gemeinschaft und individualisierte Angebote. Ganz nach dem Motto: von betreuend zu begleitend. Empowerment und Inklusion stehen im Fokus. Zudem spielen Teilhabe und Mitbestimmung eine große Rolle. Eine digitale Kommunikation unterstützt für mehr Vernetzung. Es gibt mittlerweile viel Fachwissen und gezieltere Unterstützung, da das Thema mentale Gesundheit mehr und mehr in den Fokus der Öffentlichkeit gerät und mehr geforscht wurde. Die Tagesstätte ist ein stabiler Anker im Alltag – ein Ort der Struktur, Verlässlichkeit und Orientierung.

Was sind Ihre größten Wünsche für die Zukunft?

Dass die Tagesstätte weiterhin ein sicherer Ort bleibt, an dem jeder willkommen ist.
Dass genug Zeit für echte Begegnungen bleibt – trotz aller Veränderungen.
Dass die nötigen Ressourcen – also Personal, Räume, Finanzierung – gesichert sind.
Dass die Stimmen der Klient*innen immer gehört und ernst genommen werden.
Dass Hoffnung, Gemeinschaft und Entwicklung weiterhin im Mittelpunkt stehen.

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