Bundesfreiwilligendienst im Alter: „Ich sehe jetzt, was eine Gemeinde leistet“

27.12.19
Foto: Alexander Delitz
Mit 60 Jahren macht Alexander Delitz einen Bundesfreiwilligendienst (BFD) im Evangelischen Kirchenkreis An Sieg und Rhein. Im Interview spricht er über das bereichernde Engagement.

Manchmal begeistern Neuanfänge ganz unverhofft: Mit 60 Jahren macht Alexander Delitz einen Bundesfreiwilligendienst (BFD) im Evangelischen Kirchenkreis An Sieg und Rhein. Was er eigentlich aus rein praktischen Motiven begann, stellt sich als große Bereicherung für ihn heraus.

„Wenn ich etwas mache, sollte ich es auch gerne machen. Dann mache ich das auch richtig gut und mit hundertprozentigem Einsatz.“ Alexander Delitz ist 60 Jahre alt und hat ein Leben bei der Post hinter sich. Über dreißig Jahre hinweg leitete er als Beamter Niederlassungen und hatte bis Februar seinen Schreibtisch im Bonner Post Tower. Wenn er heute im Büro arbeitet, sitzt er nicht in Bonn, sondern in der Evangelischen Kirchengemeinde St. Augustin Niederpleis und Mülldorf. Nach seiner Berufslaufbahn absolviert Delitz nämlich seit Frühjahr einen BFD bei der Kirche. Gegen ein kleines Taschengeld hilft er im Gemeindesekretariat aus, bereitet den Mittagstisch für ältere Menschen vor oder begleitet Jugend-Freizeiten.

 „Für viele junge Menschen ist ein Bundesfreiwilligendienst eine Orientierungsphase und ältere BFD-Leistende nehmen das als Möglichkeit, sich selbst zu hinterfragen“, erklärt Delitz. „Für mich ist das aber kein Motiv.“ Er ist ein Sonderfall: Die Deutsche Post AG beschäftigt noch immer viele verbeamtete Mitarbeitende ihrer Vorgängerin, der Deutschen Bundespost. Diese Beamten haben die Möglichkeit, einige Jahre vor dem regulären Ruhestand in Pension zu gehen, ohne Abzüge zu erhalten. Bedingung: Sie müssen sich nachweislich sozial engagieren, zum Beispiel in einem BFD.

Einsatz für die Menschen

Delitz entschloss sich, mit 59 Jahren Abschied von der Post zu nehmen und dafür 20 Wochenstunden im engen Kontakt mit Menschen zu arbeiten. Die richtige Stelle hatte die Freiwilligen-Agentur des Diakonischen Werks An Sieg und Rhein schnell gefunden und den St. Augustiner an seine eigene Kirchengemeinde vermittelt.

„Da kann ich mich nützlich machen. Bei der Büroarbeit zahlt es sich aus, dass ich ein Berufsleben auf dem Buckel habe, diesen Bereich kenne und fit mit den üblichen Office-Produkten bin“, sagt er. „Das Mädchen für alles“ sei Delitz neben den konkreten Projekten: „Wenn es irgendwo drängt, werde ich eingesetzt. Zum Beispiel gehe ich einzelnen Familien in Sondersituationen zur Hand, unterstütze sie im Alltag.“

Eigene Handschrift

Im Juli begleitete Delitz mit anderen Mitarbeitenden ein Konfirmanden-Camp der Gemeinde in Kroatien. Eine wertvolle Erfahrung, die ihm die Arbeit mit Jugendlichen näherbrachte. Auf eine ganz andere Weise aber fasziniert ihn die Arbeit mit Menschen im Rentenalter: „Das ist total interessant, was für eine Summe an Lebenserfahrung in Seniorenzirkeln geballt ist. Das erweitert den eigenen Horizont und manchmal findet man ganz neue Einsichten.“

Dieser Begeisterung kann Delitz im Rahmen seines BFD folgen. Der neue Kaffee-Treff der Gemeinde trägt seine Handschrift: An zwei Donnerstagen im Monat kommen überwiegend ältere Gemeindemitglieder im Gemeindehaus zusammen, im „Café Paul“. Kleine Flügelkonzerte, Volkslied-Gesangsrunden oder „Pub-Quizzes“ sorgen für Abwechslung im Alltag der rund vierzig Gäste.

Zufriedenheit und Dank ernten

„Markenkern“ der Veranstaltung ist das reiche Angebot an Kuchen, für die der Hobby-Bäcker auch selbst mit anpackt: „Neulich habe ich fünf Torten gebacken. Meine Spezialität aber sind Nussecken.“ Daneben gilt es für Delitz, das Café-Projekt am Laufen zu halten und sich um die anderen Mitwirkenden zu kümmern.„Die Zufriedenheit zu erkennen, die Dankbarkeit der Menschen, die man sofort spürt, ist einfach schön“, erzählt der St. Augustiner. „Man fühlt sich gut, etwas getan zu haben, das anderen Menschen geholfen hat. Das ist einfach klasse.“

Dass er anders als die Mehrheit der BFD-Leistenden seinen Freiwilligendienst nicht nach der Schulzeit, sondern im Alter absolviert, ist für ihn ein Vorteil: „Ich lerne was dazu, und nachdem der Ruhestand angefangen hat falle ich nicht auf Stufe Null zurück, sondern habe eine gewisse Struktur.“

Gemeinde leben

Wie wichtig die Kirchengemeinde für Menschen ist, auch das wurde Delitz nun bewusst: „Ich sehe jetzt, was eine Gemeinde leistet und wie eine Gemeinde wirklich ein Angebot aufbaut, das es aus meiner Sicht jedem leicht macht, sich zur Gemeinde zu bekennen, zu Gott zu bekennen.“

Ein BFD kann sich immer lohnen. Und dass es nie zu spät ist, sich zu engagieren und zu lernen, dafür steht Delitz. Einen Ratschlag hat er: „Man muss immer schauen, wie die eigenen Talente und Vorstellungen ausschauen.“ Nur dann könnten bereitwillige Menschen ihr Engagement so einbringen, dass sie die Dinge auf ihre Weise bewegen.

Die Freiwilligen-Agentur der Diakonie An Sieg und Rhein verfügt über ein weites Angebot an Möglichkeiten, sich ehrenamtlich zu engagieren. Weitere Informationen stehen zur Verfügung unter https://www.diakonie-sieg-rhein.de/freiwilligen-agentur/.

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