Siegburger Klinikseelsorgerin will Krankenhaus und Gemeinden vernetzen

04.10.19
Foto: Zimmermann
Diakonin Gunhild Zimmermann arbeitet als Klinikseelsorgerin für die Heliosklinik in Siegburg.

Diakonin Gunhild Zimmermann arbeitet als Klinikseelsorgerin für die Heliosklinik in Siegburg. Wie die Geistliche auf diesen besonderen Weg kam und was sie bei ihrer Arbeit bewegt schildert sie im Interview.

Wie wird man Diakonin? Wie sieht der Weg dorthin aus?
Es gibt in Deutschland 15 Ausbildungsstätten für Diakone, die meist an große diakonische Werke angeschlossen sind, drei davon auf dem Gebiet der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Wenn man es berufsbegleitend macht, braucht man eine mindestens dreijährige staatlich anerkannte Grundausbildung in einem pädagogischen oder pflegerischen Bereich oder ein Studium der Sozialen Arbeit  oder Heilpädagogik. Daran schließt sich eine zwei- bis dreijährige berufsbegleitende diakonisch-theologische Zusatzausbildung an.

Wie sind Sie Diakonin geworden?
Ich habe eine fünfjährige Vollzeitausbildung gemacht, in der eine Ausbildung zur Erzieherin integriert war. 1988 bin ich dann ins Diakonenamt eingesegnet worden. Danach habe ich einige Jahre in der Jugendhilfe und Psychiatrie und 20 Jahre in der Behindertenhilfe gearbeitet, davon knapp zwölf Jahre als Leiterin eines Familienunterstützenden Dienstes.

Was bedeutet Ihnen die Ordination?
Nach der Einsegnung ins Diakonenamt durfte ich Gottesdienste halten. Das habe ich auch seither ehrenamtlich gemacht. Aber, ich durfte noch kein Abendmahl spenden, keine Taufen, Trauungen und Bestattungen vornehmen. Ich habe dann noch einmal einen Kurs zur Prädikantin besucht, der mit der Ordination abschloss. Für mich fühlt sich die Beauftragung durch die Ev. Kirche damit erst richtig vollständig an. Ich wollte in der Seelsorge arbeiten und das Abendmahl spenden dürfen, weil es ein seelsorglicher Akt ist. Das darf ich jetzt mit der Ordination und es ist zugleich ein Vertrauensbeweis meiner Kirche, dass sie mir das zutraut.

Wie sieht ihr Arbeitsalltag aus? Um wen kümmern Sie sich?
Ich bin für Patienten, Angehörige und Mitarbeitende ansprechbar. Ich bekomme morgens von der Krankenhausverwaltung eine Liste mit Patienten, die bei der Aufnahme einem Besuch durch einen Seelsorger grundsätzlich zugestimmt haben. Dann gehe ich zum jeweiligen Pflegestützpunkt und frage nach, ob bei den jeweiligen Patienten etwas zu beachten ist. Ist ein Patient dement? Muss ein Infektionsschutz eingehalten werden? Und ich frage nach, ob es Patienten gibt, die sich im Sterbeprozess befinden oder ob es Angehörige gibt, die begleitet werden wollen. Mit diesen Informationen besuche ich die Patienten und versuche erst einmal wahrzunehmen, welche Gefühle gerade aufsteigen, was sie gerade emotional sehr beschäftigt. Ich bringe Zeit für ein Gespräch mit, ein kostbares Gut im Krankenhaus, ein offenes Ohr, denn oft kreisen die Gedanken, wenn man im Bett liegt und auf sich zurückgeworfen ist. Die Sorgen nehmen verständlicherweise einen großen Raum ein.
Ich biete ein Gebet oder eine Segnung an, eine Krankensalbung und Abendmahl. Das wird von den Patienten angenommen.

Einmal wöchentlich findet ein onkologischer Arbeitskreis statt und in der Regel ein Palliativarbeitskreis. Hier sitzen mehrere Berufsgruppen zusammen, um sich zu beraten. Hier werden die Bedarfe der jeweiligen Patienten besprochen und geklärt, wer bei wem welche Aufgabe übernimmt, in meinem Fall, wer eine seelsorgliche Begleitung wünscht.

Daneben begleite ich monatlich einen Gesprächskreis für pflegende Angehörige. Es ist wichtig, sich zu entlasten, sich gegenseitig zu stützen und professionell beraten zu werden.

Was wünschen Sie sich von den Gemeinden für Ihren Dienst?
Wenn die Patienten einverstanden sind, möchte ich sie zur Weiterbegleitung in die Kirchengemeinden vor Ort vermitteln. Nicht alle Menschen haben Familie oder Freunde, ein gutes soziales Netz, in dem sie aufgefangen werden. Eine Gemeinde kann hier aktiv werden und auffangen.

Ich denke, man kann nicht immer davon ausgehen, dass Menschen von sich aus mit den Gemeinden vor Ort Kontakt aufnehmen. Es kann manchmal hilfreich sein, den Menschen aufzusuchen. Manche Gemeinden haben ja bereits Besuchsdienste oder Mitarbeitende für die Seniorenbegleitung. Dahin möchte ich gerne eine Brücke schlagen.

Manchmal kommen Menschen ins Krankenhaus, die durch alle sozialen Netze gefallen sind. Da finde ich es sehr hilfreich, wenn Gemeinden z.B. mit ihrem Diakoniebudget vorübergehend unterstützen, bis sich die Lage stabilisiert hat. Außerdem sehe ich darin eine große Chance, Menschen zu erreichen, die wir sonst in den Gemeinden weniger antreffen.

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