„Heimkinder“ starten Initiative gegen Vorurteile – Diakonie RWL lädt zur Beteiligung ein

14.02.19
Foto: Anke Bruns/Graf-Recke-Stiftung
Ein Gremium der Mitbestimmung: Kinder- und Jugendrat der Graf-Recke-Stiftung

Düsseldorf/Münster, 14. Februar. Schwer erziehbar, aggressiv, arm – Kinder und Jugendliche, die in Wohngruppen und Heimen leben, werden oft stigmatisiert und ausgegrenzt. Mit der Initiative „Wir sind doch keine Heimkinder!“ gibt die Graf Recke Stiftung ihnen jetzt eine Stimme. Sie will ein Umdenken in der Öffentlichkeit, aber auch in den Einrichtungen selbst anstoßen. Unterstützt wird sie dabei vom Diakonischen Werk Rheinland-Westfalen-Lippe. Der Wohlfahrtsverband, der knapp 150 Einrichtungen der Kinder-und Jugendhilfe vertritt, lädt alle ein, sich an der Initiative zu beteiligen. 

„Das Leben im Heim der Nachkriegszeit unterscheidet sich deutlich vom Alltag, den Kinder und Jugendliche heute in den Wohngruppen der Jugendhilfe erleben“, betont Diakonie RWL-Vorstand Christian Heine-Göttelmann. „Sie werden dort von familiären Konflikten entlastet, von pädagogischen Fachkräften gezielt gefördert und können neue Beziehungen zu anderen jungen Menschen knüpfen.“ Auch ihre Möglichkeiten zur Mitbestimmung, Mitgestaltung und Beschwerde seien in den vergangenen Jahren deutlich verbessert worden.

All das zeigt ein 52-minütiger Film, den die Graf Recke Stiftung am Donnerstag in Düsseldorf erstmals präsentiert. Kinder und Jugendliche einer Wohngruppe kommen dort ebenso zu Wort wie ehemalige „Heimkinder“, Erzieher, Eltern und Verantwortliche der Graf Recke Stiftung. „Die Leute wissen gar nicht, wie wir leben. Mit unserem Film möchten wir der Öffentlichkeit zeigen, wie Heimkinder wirklich ticken“, betont Alex, der Vorsitzender des Kinder- und Jugendrates der Graf Recke Stiftung ist.

Der Dokumentarfilm soll auch in Schulen, Jugendzentren, Kirchengemeinden oder Volkshochschulen gezeigt werden. Mit Fachtagen und Diskussionsveranstaltungen wollen die Initiatoren eine breite öffentliche Debatte über Heimerziehung anstoßen. Dabei hat die Initiative auch die Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe im Blick. Auch sie müssten sich noch stärker für das Thema öffnen, meint Diakonie RWL-Vorstand Christian Heine-Göttelmann.

Der Wohlfahrtsverband begleitet die Einrichtungen intensiv in der Entwicklung neuer Beteiligungs- und Beschwerdekonzepte. Mit ihrer "Fachstelle für den Umgang mit Verletzungen der sexuellen Selbstbestimmung" (FUVSS) unterstützt die Diakonie RWL diakonische und kirchliche Einrichtungen dabei, Schutzkonzepte zu entwickeln. Zudem hilft sie ehemaligen „Heimkindern“, die sexualisierte Gewalt in Kirche und Diakonie erlebt haben, bei Anträgen auf finanzielle Entschädigung, vermittelt Therapien und dient als zentrale Anlaufstelle für Betroffene.

Hintergrund:

In Deutschland leben etwa 1,7 Millionen Menschen mit sogenannter "Heimerfahrung". Mehr als 100.000 Kinder und Jugendliche befinden sich derzeit in Heimen und Wohngruppen der stationären Jugendhilfe. In NRW sind es knapp 25.000. Die Diakonie RWL vertritt als größter Träger der Kinder- und Jugendhilfe in NRW knapp 150 Einrichtungen mit rund 10.000 Plätzen.
Text: Diakonie RWL / Sabine Damaschke

Weitere Informationen über die Initiative gibt es auf der Webseite https://www.wir-sind-doch-keine-heimkinder.de

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