Fachkraft statt Hilfsarbeiter – Freie Wohlfahrtspflege drängt auf mehr arbeitsmarktpolitische Förderung von Flüchtlingen

19.06.19
Freie Wohlfahrtspflege drängt auf mehr arbeitsmarktpolitische Förderung von Flüchtlingen.

Geflüchtete Menschen können helfen, den Fachkräftemangel zu beheben – so hieß es 2015 immer wieder. Doch obwohl im Rhein-Sieg-Kreis mittlerweile 1.427 Flüchtlinge sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind, arbeitet der Großteil bislang in Helferjobs, wie der aktuelle Arbeitslosenreport der Freien Wohlfahrtspflege NRW zeigt. Mehr arbeitsmarktpolitische Förderung ist nötig, damit geflüchtete Menschen zu Fachkräften werden. Aber das wird durch rechtliche Regelungen erschwert.

Zum Internationalen Tag des Flüchtlings am 20. Juni bestätigt der aktuelle Arbeitslosenreport der Freien Wohlfahrtspflege NRW den positiven Bundestrend: Auch im Rhein-Sieg-Kreis kommen immer mehr geflüchtete Menschen auf dem Arbeitsmarkt an. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten unter ihnen stieg zwischen September 2017 und September 2018 um rund 50 Prozent auf 1.427. Auch machen deutlich mehr Flüchtlinge eine Berufsausbildung. Im September vergangenen Jahres waren es lediglich 261. „Diese positive Entwicklung verdanken wir auch all den Haupt- und Ehrenamtlichen der Träger und der Wohlfahrtsverbände, die mit großem Engagement bei der Integration in Arbeit und Ausbildung geholfen haben“, betont Patrick Ehmann, Geschäftsführer des Diakonischen Werks An Sieg und Rhein und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsverbände im Rhein-Sieg-Kreis.

Allerdings ist der Weg in Job und Ausbildung für viele Flüchtlinge noch immer lang und beschwerlich. Die Freie Wohlfahrtspflege sieht sehr kritisch, dass die rechtlichen Regelungen zur Arbeits- und Ausbildungsförderung Geflüchteter nach wie vor sehr komplex und schwer durchschaubar sind. Das gerade verabschiedete Ausländerbeschäftigungsförderungsgesetz hätte den Zugang zu den dringend notwendigen Maßnahmen der Ausbildungsförderung und berufsbezogenen Deutschförderung für alle Geflüchteten erleichtern können. Doch die Regelungen sind nach Ansicht der Wohlfahrtsverbände unzureichend, weil sie zu viele Gruppen Geflüchteter von einzelnen Leistungen ausschließen. „Wer in Deutschland eine Arbeitserlaubnis erhält, muss auch sofort alle nötigen berufsvorbereitenden und ausbildungsfördernden Hilfen erhalten können“, fordert Ehmann. „Schließlich sind sie der Schlüssel zu einer qualifizierten Tätigkeit.“

In NRW sind derzeit zwei Drittel der Geflüchteten (67 Prozent) nur im Niedriglohnbereich beschäftigt, was auch mit der Art Beschäftigungsverhältnisse zusammenhängt. Im Rhein-Sieg-Kreis sind derzeit rund 45 Prozent in Helferjobs tätig, circa 10 Prozent in Leiharbeit. „Viele Flüchtlinge arbeiten deutlich unter ihren Möglichkeiten“, beobachtet der Sprecher der Wohlfahrtsverbände im Kreisgebiet. „Mit gezielter Sprachförderung, beruflicher Qualifizierung und einer erleichterten Anerkennung der im Ausland erworbenen Kompetenzen könnten wir deutlich mehr von ihnen als Fachkräfte gewinnen, die unsere Wirtschaft so dringend braucht.“

Das gilt nach Ansicht der Freien Wohlfahrtspflege ebenfalls für viele Flüchtlinge, die noch auf Sozialleistungen angewiesen sind. Die Zahl der Hartz IV-Empfänger aus den acht zuzugsstärksten Asylherkunftsländern außerhalb Europas ist im Rhein-Sieg-Kreis mit 4.468 im November 2018 konstant hoch. „Ohne schnelle und gezielte Qualifizierung alimentieren wir hier die Langzeitarbeitslosen von morgen. Wir begrüßen, dass Flüchtlinge verstärkt durch Maßnahmen zur beruflichen Weiterbildung bzw. zur Berufswahl und Berufsausbildung gefördert werden. Doch die Zahl von 291 geförderten Menschen im Dezember 2018 reicht bei weitem nicht aus,“ so Ehmann für die Wohlfahrtsverbände im Kreisgebiet.

Hintergrund:
Die Wohlfahrtsverbände in NRW veröffentlichen mehrmals jährlich den „Arbeitslosenreport NRW“. Basis sind Daten der offiziellen Arbeitsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit. Hinzu kommen Kennzahlen zu Unterbeschäftigung, Langzeitarbeitslosigkeit und zur Zahl der Personen in Bedarfsgemeinschaften, um längerfristige Entwicklungen sichtbar zu machen. Der Arbeitslosenreport NRW sowie übersichtliche Datenblätter mit regionalen Zahlen können im Internet unter www.arbeitslosenreport-nrw.de heruntergeladen werden. Der Arbeitslosenreport NRW ist ein Kooperationsprojekt der Freien Wohlfahrtspflege NRW mit dem Institut für Sozialpolitik und Arbeitsmarktforschung (ISAM) der Hochschule Koblenz.

In der Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsverbände im Rhein-Sieg-Kreis haben sich die Arbeiterwohlfahrt Bonn/Rhein-Sieg, der Caritasverband Rhein-Sieg, das Deutsche Rote Kreuz Rhein-Sieg, das Diakonische Werk An Sieg und Rhein und der Paritätische Wohlfahrtsverband Rhein-Sieg zusammengeschlossen. Mit ihren Einrichtungen und Diensten bieten sie eine flächendeckende Infrastruktur der Unterstützung für alle, vor allem aber für benachteiligte und hilfebedürftige Menschen an. Patrick Ehmann ist Geschäftsführer des Diakonischen Werks An Sieg und Rhein, und in den Jahren 2019 und 2020 Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsverbände im Rhein-Sieg-Kreis.

Diakonische Einrichtungen

Hilfe für Menschen mit Behinderung

Evangelisches Kinder- und Jugendheim

Diakonische Hilfen im Kölner Raum

Online-Service für Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen

© 2009 Evangelischer Kirchenkreis An Sieg und Rhein | Zeughausstr. 7-9, 53721 Siegburg | Fon: 02241/5494-0 | Impressum | Datenschutzerklärung