"Du bist nicht allein"

13.03.18
Foto: Nalia Schwarz / photocase.de

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Neue Diakonie-Angebote unterstützen Kinder, die mit psychisch- oder suchtkranken Eltern leben

Jüngere Geschwister versorgen, die Mutter trösten, im Haushalt helfen, den Vater verteidigen: So ähnlich sieht der Alltag vieler Kinder aus, die mit sucht- oder psychisch kranken Eltern leben. Deutschlandweit ist das etwa jedes sechste Kind. Manchmal ist nur ein Elternteil erkrankt, manchmal beide. In jedem Fall ist es ein anstrengendes Leben, in das die Kinder geboren wurden. Zu den nicht alters- und kindgerechten Aufgaben und der Verantwortung, kommen Ängste, Scham und Schuldgefühle. Sie verheimlichen die Situation zu Hause, ziehen sich zurück.

„Sorge um die Eltern, Verlustängste, Einsamkeit - das  ist eine ungeheure Belastung für die betroffenen Kinder“, sagt Kristin Switala vom Sozialpsychiatrischen Zentrum der Diakonie An Sieg und Rhein (SPZ). Sie und ihre Kollegin Andrea Brochhaus von der Diakonie Suchthilfe kennen viele dieser Familien. Sie haben zwei Angebote ins Leben gerufen, die sich auf die Kinder psychisch- und suchtkranker Eltern konzentrieren und die Familien unterstützen. Beide Diakonie-Projekte betreuen derzeit ungefähr 90 Kinder (8-12 Jahre) und Jugendliche (12-17 Jahre).

Kinder brauchen eine Erklärung

„Kinder - auch die Kleinsten - bekommen mit, dass zu Hause etwas nicht stimmt. Sie brauchen eine Erklärung“, sagt Andrea Brochhaus. „Wir informieren sie über die Erkrankung und erklären altersgerecht, was zu Hause nicht stimmt“, ergänzt Switala. Ohne Einverständnis der Eltern geht das nicht. Die beiden Sozialpädagoginnen der Diakonie arbeiten deshalb mit den Eltern und den Kindern. Sie bieten Einzelgespräche, Kinder- und Jugendgruppen, in denen gemeinsam Strategien für den Alltag erarbeitet werden und auch einfach mal entspannt gespielt werden darf. Die Eltern können sich beim monatlichen Eltern-Café  treffen. Zudem finden gemeinsame Eltern-Kind-Freizeitangebote statt.

Notfallplan für Krisenzeiten

Die Sozialpädagoginnen entwickeln mit der Familie Notfallpläne für Krisenzeiten. Die sollten möglichst konkret sein, mit Ansprechpartnern, Telefonnummern und Gewohnheiten des Kindes. Jeder Notfallplan ist individuell, je nach Alter, Wohnort und sozialen Bindungen. „Ältere Kinder können Wege schon selbständig auf sich nehmen, zum Beispiel zu den Großeltern. Bei jüngeren Kindern ist es oft wichtig, das Telefonieren zu üben“, erklärt Andrea Brochhaus. Die Erfahrung zeige allerdings, dass es oft schwierig sei, Eltern zu motivieren, einen Notfallplan schriftlich zu vereinbaren. In den guten Phasen der Krankheit sähen sie oft nicht die Notwendigkeit.

 „Das Wichtigste, was wir den Kindern und Jugendlichen vermitteln ist: Ihr seid nicht für das Wohlergehen der Eltern verantwortlich. Euer Job ist es, um euch selbst zu kümmern und zu wissen, was für euch wichtig ist und was euch gut tut. Und vor allem, ihr seid nicht allein.“, betont Kristin Switala.
Text: Valeska Zepp

Sozialpsychiatrisches Zentrum Troisdorf
Angebote für Kinder psychisch kranker Eltern

(gefördert vom Rhein-Sieg-Kreis und der Dohle-Stiftung)
Kristin Switala, 022 41 - 80 52 67
switala@diakonie-sieg-rhein.de   

Diakonie Suchthilfe Troisdorf
Angebote für Kinder suchtkranker Eltern

(gefördert durch den Rhein-Sieg-Kreis, in Kooperation mit dem Caritasverband Rhein-Sieg e.V.)
Andrea Brochhaus, 02241 25 444-21
brochhaus@diakonie-sieg-rhein.de 

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