Diakonie: Professionell, konkurrenzfähig, begleitet von Jesu Zuspruch

27.03.20
Pfarrer Ulrich Pollheim

Nach 23 Jahren als Pfarrer der Evangelischen Friedenskirchengemeinde Troisdorf geht Ulrich Pollheim (65) in den Ruhestand. Allerdings wird der Theologe bis zum Ende der Wahlperiode im Herbst im Vorstand des Diakonischen Werkes (DW) An Sieg und Rhein weiter mitarbeiten. Seit 2012 engagiert Pollheim sich dort. Ein Interview über die Diakonie, ihre Entwicklungen und ihre Herausforderungen.

Wie hat sich das Diakonische Werk in den vergangenen acht Jahren entwickelt?

Das Diakonische Werk an Sieg und Rhein stand in den letzten Jahren vor großen Herausforderungen. Wie ist ein an die verfasste Kirche gebundenes Diakonisches Werk auf einem Markt mit unterschiedlichen Anbietern positioniert? Wie kann es konkurrenzfähig bleiben und weiterhin Wert auf christliche Grundlagen legen? Wie können überlieferte Strukturen an neue Bedingungen angepasst werden? Welche Fragen ergeben sich in der Personal- und Leitungsentwicklung und bei der Entwicklung neuer Strategien? Mit diesen Fragen beschäftigte sich der Vorstand des DW gemeinsam mit der Geschäftsführung und dem Kreisdiakonieausschuss. Es ist ein Prozess, der immer noch im Gang ist und auch im Gang bleibt.

Dazu kamen dann Entscheidungen über die kurz- und mittelfristige Finanzplanung bei der Erstellung möglichst ausgeglichener Haushalte.

Eine wichtige Entscheidung waren Neubesetzungen in der Geschäftsführung. Mit Patrick Ehmann als Geschäftsführer und Christoph Wolf als Referent für Personal und Finanzen konnten wir Menschen gewinnen mit neuen Ideen und Ansätzen, aber auch mit reichen Erfahrungen aus der praktischen Arbeit.

Welches sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen?

Da viele Angebote im DW finanziert werden durch Zuschüsse von Kommunen, vom Kreis, vom Land NRW und vom Bund, allesamt Geldgeber, die auf den Euro gucken müssen, ergibt sich eine immer größer werdende Diskrepanz zwischen Einnahmen und Ausgaben. Denn auf der Ausgabenseite zahlt das DW zum Beispiel tariflich vereinbarte Löhne und Gehälter, so dass jede Gehaltserhöhung ein Problem für einen ausgeglichenen Haushalt bedeutet. Außerdem haben wir in der Arbeit Qualitätsstandards, an denen wir gemessen werden und auf die wir auch stolz sind. Aber auch das kostet.
Die Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben wird weiter auseinandergehen. Das betrachte ich als größte Herausforderung.

Wie verbinden sich aus Ihrer Warte Gemeinde und Diakonie?

Dies war mein Thema in vielen Einlassungen in Diskussionen im Vorstand und im Kreisdiakonieausschuss. Ich betrachte das Handeln des Diakonischen Werkes als Handeln der Kirchengemeinden im Kirchenkreis. Als Gemeindepfarrer wusste ich immer um meine Grenzen bei der Beratung und Unterstützung von Hilfsbedürftigen. Da tat es mir gut, sagen zu können, dass es in den Abteilungen des Diakonischen Werkes professionelle Unterstützung gibt. Und ich habe immer betont, dass das DW von den Gemeinden finanziert und getragen wird. Ich hoffe, dass dies auch in Zukunft deutlich wird.
Eine engere Verbindung zwischen den Kirchengemeinden und dem DW ist wünschenswert.

Wohin sollte für die Diakonie die Reise gehen?

Ich wünsche mir eine Diakonie, die auf der einen Seite professionelle Arbeit leistet, mit der sie im Markt der verschiedenen Anbieter konkurrenzfähig bleibt. Dazu soll sie aber auch ihr Alleinstellungsmerkmal am Markt nicht vergessen. Sie bleibt Teil der Kirche Jesu Christi, die an die Menschen in unserer Gesellschaft gewiesen ist, die zu den Schwächsten gehören.
Dieser Anspruch wird für mich immer zu den Grundlagen unserer Diakonie gehören, begleitet von dem Zuspruch Jesu Christi.

Hinweis: Pfarrer Ulrich Pollheim hätte im Gottesdienst am Sonntag, 29. März, aus seinem Gemeindedienst verabschiedet werden sollen. Wegen der Corona-Pandemie wird die Verabschiedung zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt.

Web: diakonie-sieg-rhein.de

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