Diakonie: Auf dem Weg der Innovation

22.11.19
Neue zukunftweisende Angebote entwickeln: Patrick Ehmann, Geschäftsführer des Diakonischen Werks An Sieg und Rhein

Das Diakonische Werk An Sieg und Rhein macht sich auf einen Weg der Innovation. Im kommenden Jahr wird dazu ein so genanntes Intrapreneurship-Programm gestartet. Unterstützt wird die Diakonie dabei vom Social Impact Lab in Bonn.  Das Ziel ist es, neue und zukunftweisende Angebote zu entwickeln, erklärt Patrick Ehmann, der Geschäftsführer des Diakonischen Werks An Sieg und Rhein. Ein Interview

Das Diakonische Werk des Evangelischen Kirchenkreises An Sieg und Rhein ist gut aufgestellt. Ein Sprichwort lautet: „Never change a running system.“ Warum doktern Sie am funktionierenden System herum?
In der Tat: Das System funktioniert, wir sind gut unterwegs. Unser Haushalt ist 2020 erneut ausgeglichen. Aber kein System ist für die Ewigkeit gemacht. Es ist meine Aufgabe sicher zu stellen, dass wir auch mittel- und langfristig in der Lage sind, gute Sozialarbeit zu leisten. Zumal die Rahmenbedingungen sich ändern. Wir nehmen gegenwärtig einen weitreichenden gesellschaftlichen Wandel wahr. Ich nenne einige wenige Stichworte: Digitalisierung, Alterung, Individualisierung, verstärkter Einfluss der Europäischen Union auf die Gesetzgebung. Das heißt, wir müssen auf jeden Fall unsere Angebote überprüfen und anpassen. Und ich bin froh, dass wir das aus einer Position der Stärke heraus angehen können.

Sie sind dabei, das Diakonische Werk strategisch neu aufzustellen - wie sieht das aus?
Wir haben in den letzten Jahren vier zentrale Blöcke angeschaut: Personal, Finanzen, Struktur und Strategie. Diese vier Bereiche durchleuchten wir unter dem Aspekt Entwicklungsmöglichkeiten. Inzwischen sind wir schon weit gekommen. Mit dem ausgeglichenen Haushalt 2020 und einer belastbaren Mittelfristplanung haben wir in der strategischen Finanzentwicklung ein Etappenziel erreicht. Unsere Struktur haben wir gut weiter entwickelt, da haben wir unser Organigramm erneuert. In der Personalentwicklung arbeiten wir zurzeit Leitungsgrundsätze aus.

Als Teil der Strategie haben Sie einen Weg der Innovation angestoßen. Was ist der Plan?
Wir werden ein Intrapreneurship-Programm über das ganze Jahr 2020 durchführen. Das Ziel ist, dass wir mit den Fachleuten für soziale Arbeit in der Diakonie innovative Ideen entwickeln. Sie sind am besten in der Lage, aus individuellen Problemlagen oder strukturellen sozialen Schwierigkeiten heraus kreative und zukunftsweisende Lösungen zu entwickeln. Das heißt, wir sprechen ganz praktisch über mögliche neue Dienstleistungen oder fachliche Angebote. Und wir diskutieren darüber hinaus über die Konsequenzen für uns als Organisation und die Finanzierung künftiger neuer Angebote.

Was bedeutet der Name „Intrapreneurship-Programm“?
So heißt das Programm, mit dem wir unsere Innovationen vorantreiben. „Intrapreneur“ ist erstmal ein Kunstwort, aber es erklärt sich leicht: Wir kennen ja Unternehmer oder Entrepreneurs – Menschen, die Geschäftsmodelle entwickeln, vielleicht auch mit Erfindungen, und damit eine lebendige Firma formen. Intrapreneure sind Menschen, die dies innerhalb von bestehenden Organisationen oder Unternehmen tun. Wir begreifen uns selbst als diejenigen, die mit Unternehmer- und Erfindergeist Ideen generieren, völlig Neues schaffen und auch an die Umsetzung gehen.

Es klingt noch ein bisschen abstrakt – haben Sie ein Beispiel für eine Innovation oder Idee?
Ein Beispiel aus einem anderen Bereich, ja, und zwar unter dem Aspekt Digitalisierung: Entwickelt wurde eine Laserleuchte, die das Arbeitstempo von geistig behinderten Mitarbeitenden in einer Küche individuell berücksichtigt. Nicht die Menschen müssen sich dem Arbeitstempo anpassen, sondern die Arbeit passt sich dem Menschen an.

Wie sieht der Zeitplan aus?
Wir planen für März einen offiziellen Auftakt. Danach können Teams aus zwei oder drei Personen Ideen entwickeln, gerne fachbereichsübergreifend. Die Ergebnisse werden Ende April vorgestellt, und alle Mitarbeitende im Diakonischen Werk entscheiden darüber, welche Ideen weiter gefördert werden. Von Mai bis November folgen weitere Workshops, in denen – mit Unterstützung des Social Impact Labs – die Ideen gezielt weiterentwickelt und zu umsetzbaren Konzepten werden. Ende des Jahres werden die Projekte öffentlich vorgestellt und wir entscheiden, welche Projekte in der Praxis getestet werden. Ich hoffe, dass es deutlich wird: Tragendes Prinzip bei allen Schritten ist für mich die Teilhabe der Mitarbeitenden.

Wie geht es dann weiter?
Natürlich erhoffe ich mir, dass wir möglichst viele Ideen umsetzen können. Aber genauso wichtig ist, dass wir das Programm im Jahr 2021 und darüber hinaus weiterführen. Mein Ziel ist es, dass wir als Diakonisches Werk dauerhaft in der Lage sind, neue Ideen zu entwickeln und so unser Ziel, auch langfristig gute Sozialarbeit zu leisten, erreichen. Wir werden Ende des Jahres das Intrapreneurship-Programm auswerten und ggf. anpassen. Ich bin gespannt, ob wir es schaffen, ab 2021 weitere Partner einzubinden, zum Beispiel die Kirchengemeinden oder die anderen Wohlfahrtsverbände.

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