Albtraum Miete – Das Diakonische Werk An Sieg und Rhein warnt vor zunehmender Überschuldung durch steigende Mieten

04.06.19
Flyer Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände
Albtraum Miete - Aktionswoche Schuldnerberatung 2019

In den Schuldnerberatungsstellen der Sozialverbände suchen immer mehr Menschen Rat und Hilfe, weil sie ihre Mieten nicht mehr zahlen können und keine neue preiswertere Wohnung finden. „Teilweise ist der Druck der Gläubiger so groß, dass Ratenzahlungen geleistet werden und für die Miete zu wenig Geld übrig bleibt“, erklärt Patrick Ehmann, Geschäftsführer des Diakonischen Werks An Sieg und Rhein, aus Anlass der Aktionswoche Schuldnerberatung, die an diesem Montag gestartet ist. Sie steht diesmal unter dem Motto „Albtraum Miete“ und stellt das Grundrecht auf bezahlbaren Wohnraum in den Mittelpunkt.

Eine neue Wohnung zu finden ist für überschuldete Menschen fast unmöglich, da die meisten Vermieter eine SCHUFA-Auskunft verlangen. „Dabei sagt diese in der Regel nichts darüber, ob in der Vergangenheit Mietzahlungen regelmäßig erfolgt sind“, so Ehmann weiter. Ein niedriger Scorewert resultiere aus Zahlungsschwierigkeiten, die in ganz anderen Bereichen liegen könnten. Auch ein Insolvenzverfahren führe zu einer schlechteren Benotung, dabei unternehme der Mieter damit alles, um Zahlungsstörungen zu vermeiden. „Diese Stigmatisierung muss aufhören. Die SCHUFA-Auskunft gegenüber Vermietern sollte sich auf Miet- und ähnliche Schulden beschränken.“

Auch den zunehmend unseriösen Geschäftspraktiken von Inkassounternehmen müsse dringend Einhalt geboten werden, fordert die Diakonie An Sieg und Rhein. Viele der knapp sieben Millionen überschuldeten Menschen in Deutschland seien Opfer dieser Abzocke rund um offene Rechnungen und Mahnungen geworden.  Es gebe immer wieder Fälle, in denen sich Zahlungsrückstände innerhalb weniger Wochen verdoppeln und verdreifachen. Ehmann betont daher: „Wir begrüßen, dass das Bundesjustizministerium jetzt endlich einen Gesetzentwurf zur Änderung der inkassorechtlichen Vorschriften vorlegen will.“

Viele überschuldete Menschen haben ein sehr niedriges oder gar kein Einkommen. Damit sie ihre Miete zahlen können, brauchen sie mehr finanzielle Hilfen. So sollte das Wohngeld dynamisch gestaltet sein und die Energie- und Heizkosten angemessen berücksichtigen. Für Hartz IV-Empfänger müssten die Kosten der Unterkunft an die realistischen ortsüblichen Vergleichsmieten angepasst werden. „Es gibt viele Stellschrauben, an denen Politik, Bau- und Wohnungswirtschaft drehen können, um Wohnen wieder bezahlbar zu machen und die zunehmende Überschuldung durch zu hohe Mieten zu stoppen“, bekräftigt Ehmann. „Die Aktionswoche fordert dazu auf, gemeinsam Lösungen zu entwickeln und aktiv zu werden.“

Hintergrund:

Die bundesweite Aktionswoche Schuldnerberatung wird von der Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände (AG SBV) veranstaltet. Bundesweit gibt es rund 1.400 soziale Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen, die jährlich knapp 700.000 Menschen Unterstützung anbieten. Im Rhein-Sieg-Kreis bietet der SKM in Siegburg, Bornheim und an weiteren Standorten Schuldnerberatung an.

 

 

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